Und wieder verschwindet eine erfolgreiche App: Infos zur Löschung von AppGratis

| 8. April 2013 | 8 Kommentare

Gestern hat es nach AppShopper die nächste App-Empfehlungs-App erwischt. AppGratis ist nicht mehr im App Store vertreten. Die App hatte täglich bis zu drei Apps zum Download empfohlen. Damit setzt Apple die Richtlinie weiter um, die Apps verbietet, deren einziger Inhalt die Empfehlung anderer Apps ist.

Die ersten erfolgreichen Empfehlungsapps waren AppShopper und FreeAppaDay. Während die inzwischen von Apple gelöschte App AppShopper auf eine Gesamtübersicht mit Neuerscheinungen, Preisreduzierungen und Updates setzte, beschränkt FreeAppaDay sich auf täglich bis zu fünf „Empfehlungen“. Bereits Mitte 2010 lernte ich, dass diese Empfehlungen gekauft werden konnten und gekauft wurden. Von da an betrachtete ich die gegebenen Empfehlungen erheblich kritischer.

Anfang 2010 begannen auch wir mit unseren App-Empfehlungen, die allerdings rein redaktionell entstanden. Wir starteten mit app-kostenlos.de und stellten jeden Tag aus der Vielzahl kurzfristig kostenloser Apps unsere Favoriten vor. Innerhalb weniger Wochen stieg die Zahl der Besucher unserer Seite auf erstaunliche Höhen. Schon nach kurzer Zeit wurden wir von Anfragen überhäuft, wie man denn auf unsere Seiten kommen könnte. So ging es auch Simon Dawlat von AppGratis, der zu dieser Zeit ebenfalls eine rein redaktionelle Seite in Frankreich gestartet hatte. Vorher hatte er allein über einen Newsletter seine Tagesempfehlungen verschickt.

In der Zwischenzeit waren viele auf den Zug aufgesprungen und neue Angebote mit App-Empfehlungen wurden jeden Tag gestartet. Die wenigsten davon hielten sich, aber ein paar Anbieter machten alles richtig und setzten auf ihre Blogs noch eine kostenlose App drauf, die den Nutzern jeden Tag die beste kostenlose App versprach. Diese Apps verbreiteten sich wie ein Lauffeuer und kamen innerhalb weniger Monate auf Millionen von Downloads. So wurden auch weitere Apps rausgebracht, die andere Märkte abdecken und dadurch stieg die Zahl abermals an.

Es entstanden auch Apps, die unsere Domainnamen übernahmen, so zum Beispiel App des Tages und App kostenlos oder Apps free. Der Unterschied zu uns war ganz einfach: Durch die Installation der Apps auf den Geräten der Nutzer mussten diese nicht mehr auf Internetseiten gehen, um die kurzfristig reduzierten Apps sehen zu können. Ein Fingertipp auf dem Display reichte. Später kamen auch die Push-Meldungen dazu, die direkt jeden Nutzer der App über das Angebot des Tages informierten.

AppGratis entwickelte sich besonders gut und startete nach und nach in 30 Märkten, in denen Apples App Store vertreten ist. Simon Dawlat hatte verstanden, dass App Entwickler insbesondere in den internationalen Märkten, die nicht englischsprechend sind, Hilfe benötigen. Die AppGratis-App hatte  über 6 Millionen Nutzer, von denen rund eine Million Nutzer die App täglich öffneten.

Einnahmensituation dieser Empfehlungsapps

Wenn in einer App wie AppGratis oder App des Tages eine bestimmte App empfohlen wird, wird dazu ein zumeist sehr kurzer Vorstellungstext verfasst und die Empfehlung geht per Push-Nachricht an alle, die die Empfehlungsapp installiert haben. So werden zeitgleich Millionen Nutzer auf die App aufmerksam und – je nach vorgeschlagener App – lädt ein gewisser Prozentsatz der Addressaten die App auf sein Gerät.

Durch die Downloads steigt die App in die Charts auf, was sie für weitere Nutzer sichtbar macht. Es folgen also Folgedownloads von den Nutzern, die die Empfehlungsapp nicht installiert haben. Eventuell schreiben auch Blogger über die plötzlich sichtbare App und erhöhen so die Downloads nochmal.

Alle diese Effekte zahlen auf das Konto der Empfehlungsapp ein. Diese kann garantieren, dass eine App, die dort beworben wird, in die Charts kommt und hunderttausende Downloads pro Markt, in dem die EmpfehlungsApp aktiv ist, erreichen wird.

Jetzt gibt es zwei Zahlvarianten: Entweder der Pauschalpreis für die Vorstellung (oft um die 20.000 Euro pro Tag) oder die Vergütung per Installation. Hier werden, je nach App, bis zu 2 Euro pro Download bezahlt.

Wer also eine weitverbreitete Empfehlungs-App oder besser eigentlich AppVermarktungsApp hat, kann damit pro Tag 20.000 bis eine 100.000 Euro einnehmen – und das bei sehr geringen eigenen Kosten. AppGratis machte zuletzt pro Monat etwa eine Million Dollar Umsatz mit den angeblichen App-Empfehlungen. Klar, da kann man richtig neidisch werden und die Verführung war stets groß, es auch so zu machen. Insbesondere, wenn Ideen übernommen und dann so zum Erfolg geführt werden. Allerdings:

Nutzertäuschung als erfolgreiche Geschäftsstrategie

Ein Aspekt bei den Empfehlungsapps ist, dass hier die Nutzer in vielen Fällen ganz bewusst getäuscht werden. Während wir zum Beispiel für app-kostenlos.de jeden Tag mehrere gerade kostenlose Apps testen und die Besten daraus dann redaktionell vorstellen, kauft man sich bei den meisten Empfehlungsapps einfach ein. Das bedeutet, dass deren Tipps dann eigentlich als Werbung gekennzeichnet werden müssten. Werden sie aber bei den meisten Apps dieser Art nicht. Bei AppGratis zum Beispiel hatte man in Deutschland, Frankreich und anderen Ländern immer den Eindruck, dass eine Einzelperson die persönlichen Highlights vorstellt. Und so wird dem Nutzer suggeriert, dass die vorgestellte App tatsächlich die beste App des Tages sei, obwohl es andere Apps gibt, die vielleicht deutlich besser und auch gerade kostenlos sind.

Ein weiterer Trick ist es, dem Nutzer zu suggerieren, dass die App nur am Vorstellungstag kostenlos sei. Das beobachte ich oft bei dauerhaft kostenlosen Apps. Hier wird also ganz bewusst falsch informiert, um dem Nutzer das Gefühl zu geben, dass er diese App am Besten sofort laden sollte. Manche dauerhaft kostenlosen Apps werden auch nur für einen Tag auf kostenpflichtig gesetzt, um dann als kurzfristig kostenlose App des Tages beworben zu werden.

Auch das Einsparpotenzial wird verfälscht. Über 50% der kurzfristig kostenlosen Apps wird ein paar Tage vor der Aktion im Preis deutlich raufgesetzt. So kann man dann behaupten, dass der Nutzer gleich 4,49 Euro mit dem Download spart – obwohl die App sonst auch nur 89 Cent kostet.

Es gibt also eine ganze Menge Tricks, mit denen man beim Nutzer den Eindruck erwecken kann, dass nur der sofortige Download die maximale Einsparung beim Preis bewirkt. Das sind Dirty-Tricks, die aber im App Store häufig vorkommen. Wir machen diese Tricks nicht mit und weisen auch darauf hin, wie der Normalpreis der vorgestellten App ist.

Apple muss sich verteidigen

Natürlich werden jetzt Stimmen laut, die gegen Apple wettern. Wie kann man einfach so Apps löschen? Wie mies ist das denn?

Wenn man die Situation ohne Emotionen betrachtet, fällt Folgendes auf. Die „Empfehlungs-Apps“ sind eigentlich Parasiten oder Viren im App Store, die sich sehr schnell ausbreiten und alle Charts befallen. Sie schaffen Downloadzahlen, die allein durch das Zahlen von höheren Geldbeträgen entstehen und den kleineren App Entwicklern keine Chance lassen. Da die Chartplätze begrenzt sind, können wenige dieser Apps die Charts komplett für andere blockieren.

Das ist aber nur der erste Punkt, ein anderer wiegt mindestens ebensoschwer:

Durch die Investition nutzen die in Empfehlungsapps werbenden App Entwickler oft grenzwertige Maßnahmen, um ihr Geld wieder reinzubekommen und möglichst viel darüberhinaus zu verdienen.

Das alles schlägt sich mit etwas Verzögerung auf die Nutzererfahrung der Nutzer im App Store und schließlich auch mit iPhone, iPod Touch und iPad nieder. Der Nutzer wird insgesamt unzufriedener, denn die App nervt zum Beispiel mit immer wieder aufpoppender Werbung. Oder die App bietet – obwohl als Vollversion angepriesen – nur ein paar Level zum Ausprobieren und soll dann doch bei In-App-Kauf zur Vollversion freigeschaltet werden.

Und das ist dann ein Ergebnis dieser „Empfehlungs-Apps“, mit dem die Zufriedenheit der App Store Nutzer reduziert wird. Und das will und muß Apple verhindern.

(Markus Burgdorf)

(Das ist die Kurzfassung eines Artikels, den ich heute auf dem Blog von App Agency veröffentlicht habe).

 

 

 

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Kategorie: Allgemein, Appzocke, Meinung

Über den Autor ()

Markus Burgdorf startete App-kostenlos.de im Januar 2010 und hat seitdem über 10.000 Apps getestet. Mittlerweile berät er über die App Agency App-Herausgeber in den Bereichen Vermarktung von Apps, Entwicklung von Apps, Internationalisierung und arbeitet mit seinen Kunden daran, das Nutzererlebnis bei der Verwendung von Apps zu verbessern.

Kommentare (8)

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  1. Achim sagt:

    Danke für deine Stellungnahme. Sehr aufschlussreich.

  2. Clemens sagt:

    Das wäre mir sehr neu, dass gekaufte Empfehlungen/Bewertungen dieser Seite gekennzeichnet wären. Wie kann man sich über andere Seiten echauffieren, wenn man doch das gleiche Geschäftsmodell verfolgt?!

  3. Hallo Clemens,

    unser Modell sieht anders aus und wenn wir einen sponsored Post, also einen bezahlten Beitrag haben, kennzeichnen wir den.

    Beispiel:

    Handelsblatt

  4. Clemens sagt:

    Erst einmal meine Hochachtung, dass Sie wirklich auch negative Kommentare zulassen.

    Aber Ihre Kennzeichnung habe ich lediglich bei Skout und Taxi gefunden. Bei den anderen öffentlich angegebenen Kunden ist mir nur eine deutlich positive Bewertung aufgefallen; zudem beispielsweise Linguatec oder SWS-Apps nicht einmal kostenlos waren.

    Nebenbei habe ich das Gefühl, dass häufig auch freemium apps beworben werden, wozu für mich zum Beispiel „Ski Jumping Pro“ oder „Death Rally“ gehören. In „Death Rally“ wird obendrein noch Werbung eingeblendet – da ist es mir schleierhaft, warum Sie darüber berichten…

  5. Hallo Clemens,

    wir freuen uns über jeden Kommentar, selbst wenn er nicht positiv ist. Mit Linguatec verbindet uns inzwischen eine langjährige Freundschaft, die darauf beruht, dass diese Apps wirklich gut sind. Wir hatten der Firma zum Start ihrer App-Aktivitäten mit unserer Beratung zur Seite gestanden. Danach gab es mehrere Kooperationen (ohne, dass dabei für Artikel gezahlt wurde), bei denen wir eine Preisreduzierung vorgeschlagen haben, die Linguatec dann auch durchgeführt hat. Wir haben dann über die Apps berichtet, ohne dass dafür gezahlt wurde. Insofern denke ich, dass die Artikel nicht kennzeichnungsbedürftig waren. Bei SWS-Lernsysteme war es genauso – erst Beratung – dann haben wir Preisaktionen vorgeschlagen, SWS hat diese vorgenommmen und wir haben das dann gemeldet.

    Wenn wir mit App-Herausgebern Preis-Aktionen vereinbaren und diese den Preis für ihre App senken, müssen wir die Artikel nicht kennzeichnen, weil da keine Zahlung oder sonstige Zuwendung erfolgt.

    Wir „bewerben“ keine Freemium-Apps, aber wir schreiben darüber – und dass oft auch kritisch. Allerdings gibt es auch „Freemium-Apps“, die man durchaus ohne jemals Geld zu zahlen durchspielen kann. Hier korrigieren wir auch Artikel, so wie wir es bei Ice-Age und Oregon Settler gemacht haben, wo wir ohne zu zahlen so weit gekommen sind, dass das Spiel nicht mehr weiterging. In solchen Fällen wird die Freemiumkritik dann abgemildert oder gar ganz entfernt.

    Meine persönliche Meinung zu Freemium-Spielen isat durchaus nicht ganz einfach zu beschreiben: Wenn ein Spiel oder eine andere App nur nach Kauf von Zusatzpaketen überhaupt funktioniert, wird diese nicht vorgestellt. Wenn man per In-App-Kauf Funktionen dazukaufen kann, aber die App eine ordentliche Grundfunktion beinhaltet, kann sie vorgestellt werden. Wenn bei Spielen ein Vorwärtskommen nur per In-App-Kauf ermöglicht wird, wird das betreffende Spiel kritisch beleuchtet. Wenn der In-App-Kauf aber nur eine Abkürzung auch kostenlos erreichbarer Spielziele ist, sehe ich darin kein Problem.

    Ähnlich ist es mit der Werbung in Apps. Dass kostenlos angebotene Apps Werbung zur Finanzierung der Entwicklungs- und Pflegeaufwendungen enthalten können, wird von uns akzeptiert. Viele Apps mit besonders aufdringlicher Werbung und insbesondere Werbung, die so platziert wird, dass der Spieler oder Nutzer versehentlich darauf tippt, werden bei uns zwar angesehen und getestet, aber nicht vorgestellt. Bei besonders dreistem Vorgehen kann es sogar einen Artikel mit Warnung geben. (Siehe Tamagotchi).

    Ich hoffe, ich konnte mit dieser Antwort etwas aufklären.

    Markus

  6. Katja Fun sagt:

    Danke für diese Informationen. Ich hatte ohnehin schon manchmal den Eindruck, dass viele App-Empfehlungen finanziell motiviert sind. Schön, dass dies bei http://www.app-kostenlos.de nicht der Fall ist.

  7. Tja, bei dem Begriff Nutzertäuschung spitzte ich schon die Ohren.Die schlimmste Augenwischerei wird aber noch nicht beim Namen genannt.
    Diese Apps sind tatsächlich,ob jetzt mehr oder weniger nützlich, kostenlos.Aber nur bis zur nächsten Neuinstallation.Danach steht man nämlich deutlich gesprochen blöd da.Es gibt keine Installationscodes, die neu eingegeben werden können und mit dem am Verschenkungstag geltenden Promocode der immer „appoftheday“ oder „appgratis“ lautet, kann man sich im Falle von Handywechsel oder restore der Installation aus einem Backup, ähhh am Hinterkopf kratzen, der gilt nämlich nicht.Falls jemand etwas anderes erlebt hat oder in der Lage war die Apps wiederzubekommen lasse ich mich gern belehren.Eine Ausnahme habe ich gefunden, das ist die Firma Amazon, deren apps sind nach einer Neuinstallation noch da, aber nur wenn man auf dem selben Gerät auch wieder die Amazon app für die Gratissoftware laufen lässt und sich dort mit seinem Nutzernamen anmeldet.In den anderen Fällen finde ich es etwas befremdlich den Agenturen für diesen Bluff noch so viel Geld zu bezahlen, denn was der User bis zu dem Tag an der App gut fand, das wird er nach diesem Nepp um so mehr hassen

  8. Hallo Markus,

    auf welchen Geräten ist Dir das passiert? Beim iPhone kann ich mir das nicht vorstellen, denn da ist der Download ja ohne Geschenkcodes. Und selbst wenn mal Geschenkcodes eingesetzt würden, wäre das dennoch kein Unterschied. Insofern wundert mich das etwas…

    Grüße vom Namensvetter

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