Liebe App-Entwickler und App-Herausgeber…

| 16. Juli 2015 | 0 Comments

assenger Liner Simulator Iconnatürlich wissen wir Nutzer, dass Ihr mit Euren Apps Geld verdienen wollt und gute Arbeit soll auch bezahlt werden. Die Bezahlung kann entweder durch den Verkauf der Apps, durch Werbung, durch In-App-Käufe oder auch durch die eher etwas abstrakte Währung der Reichweite erfolgen.

Wenn man sich nun dafür entscheidet, die App kostenlos anzubieten und dafür auf Werbeeinnahmen zu setzen, dann hat der Nutzer dafür in der Regel Verständnis. Wenn man aber, wie die Herausgeber von Passenger Liner Simulator, ein Spiel im App Store bewirbt, welches direkt beim ersten Starten und bevor man überhaupt irgendetwas tun konnte, gleich 5 Popups mit Anzeigen für andere Apps und nicht wegklickbare Werbefilme einblendet, dann muss man sich nicht wundern, wenn das mit den Werbeeinnahmen nicht klappt. Denn fast alle Nutzer werden bereits nach dem dritten Werbeblock die App einfach wieder schließen und löschen. Dazu kommen natürlich noch kleinere Banner, die am unteren oder oberen Displayrand einblendet werden. So blinkt und flackert alles wunderschön.

Somit hat man dann eigentlich nichts erreicht. Und die wenigen, die sich tapfer durch die Werbung und ihre kleinen Xse zum Wegtippen gekämpft haben, erwarten dann zumindest ein Spiel, welches in etwa der Beschreibung entspricht. In diesem Fall gibt es ein Schiff, welches man durch eine sehr einfach gestaltete Umgebung manövrieren soll und dass sich nun leider auch überhaupt nicht wie ein Schiff verhält. Wenn man die Geschwindigkeit auf STOP stellt, bleibt das Schiff sofort stehen – das ist zum Beispiel in der Realität anders. Und so wird auch der durchhaltungsfähigste Nutzer spätestens jetzt das Spiel verlassen und die App löschen.

Auf den Screenshots im App Store sieht man natürlich nicht, dass man direkt nach dem Öffnen der App für Minuten mit Werbung überschüttet wird. Und man ahnt auch nicht, dass die Schiffssteuerung in keinster Weise der eines Schiffes nachempfunden wurde.

Auf den Screenshots im App Store sieht man natürlich nicht, dass man direkt nach dem Öffnen der App für Minuten mit Werbung überschüttet wird. Und man ahnt auch nicht, dass die Schiffssteuerung in keinster Weise der eines Schiffes nachempfunden wurde.

Solche Überfrachtung mit Werbung macht nicht nur die App selbst kaputt, sie schadet den Werbenden und zerstört den noch recht jungen mobilen Werbemarkt. Und sie lässt Nutzer insgesamt kritischer auf das Thema Werbung in Apps reagieren.

Richtig wäre es, wenn man dem Nutzer erstmal etwas bietet, bevor man ihn über Werbeeinblendungen ausnutzt. Denn wenn wir Nutzer etwas Gutes geboten bekommen, dann akzeptieren wir auch eine sparsam portionierte Werbung.

Und das geht natürlich auch in Richtung der App-Herausgeber, die bereits so viel Geld verdienen, dass sie im App-Marketing richtig klotzen können: Mistet solche Apps als Werbeträger aus, denn sie schaden Euch mehr, als sie Euch neue Nutzer bringen. Wenn ich zum zehnten mal in 10 Minuten Werbung für Empire: Four Kingdoms oder Forge of Empires oder Candy Crush Soda Saga oder oder oder sehe, übertrage ich meine Verärgerung auf die beworbenen Produkte.

Ein wesentlich besserer Ansatz ist der der “freiwillig” angesehenen Werbung. Hier wird dem Nutzer ein Vorteil geboten, wenn er sich Werbung ansieht. Und das wird er nur machen, wenn er mit dem Spiel an sich offenbar zufrieden ist.

Nicht viel anders verhält es sich mit einer App, die anderswo heute als App des Tages gefeiert wird: Bei Facetouch Pro wird ein Normalpreis von 2,99 Euro angegeben für eine App, mit der ich Portraitfotos mit Hütchen und allerlei Schnickschnack “verzieren” kann. Na toll.

Als wir die App testen wollten, poppten gleich zigmal die gleichen Aufforderungen auf: Man solle die facebook Seite besuchen, man solle die App gut bewerten und für beides gäbe es dann exklusive Gegenstände zur Verzierung. Tatsächlich haben wir – aus Versehen – die facebook-Seite besucht, weil wir uns die Beispiele ansehen wollten und wir ungefragt zu facebook weitergeleitet wurden. Nach etwa 15 Pop-Ups mit den wiederholten Wünschen des Herausgebers und der Ansicht der vielen In-App-Käufe für ein paar mickrige Fotoverzierungen haben wir uns entschlossen, auch diese App nicht vorzustellen.

Liebe App-Entwickler und Herausgeber, macht es doch ganz einfach: Würdet Ihr solche Apps mögen, die Euch mit Werbung oder Aufforderungen nur zu beballern? Würdet Ihr so etwas regelmäßig nutzen wollen? Nein? Aber warum mutet Ihr das dann uns Nutzern zu? Denkt mal darüber nach, ob hier nicht weniger tatsächlich mehr ist…

Eure App-Nutzer, die sich über gute Apps immer freuen.

 

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Category: Allgemein, Appzocke

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Markus Burgdorf startete App-kostenlos.de im Januar 2010 und hat seitdem über 10.000 Apps getestet. Mittlerweile berät er über die App Agency App-Herausgeber in den Bereichen Vermarktung von Apps, Entwicklung von Apps, Internationalisierung und arbeitet mit seinen Kunden daran, das Nutzererlebnis bei der Verwendung von Apps zu verbessern.

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